Historischer Motorradrennsport in der
Innenstadt von Schotten
22. Internationaler VFV/ADAC „Schottenring Classic Grand-Prix”,
oder wie bringe ich es Melanie bei.
Ein neuer Anlauf in Schotten, vor zwei Jahren
hatte ich mich in Schotten zum VFV Lauf angemeldet. Das Resultat war;
Bänderzerrung, Fußgelenk defekt und Krücken. In diesem Jahr sollte es
ganz anders werden. Hätte begleitete mich auch dieses Jahr wieder und
reiste bereits am Donnerstag an. Sein Auftrag war es, einen Platz mit
Strom und ohne Löcher zu finden. Diesen Auftrag erfüllte er perfekt.
Nachdem wir alles aufgebaut hatten, schlenderten wir durch das
Fahrerlager, welches sich wie ein Freilichtmuseum zeigte. Statt nur
ansehen und nicht anfassen, geschweige den anhören, bot sich hier ein
ganz anderes Bild. Da wurde geschraubt, Motoreinstellungen ausprobiert
und immer wieder bellende Gasstösse um die Motoren warmlaufen zu lassen.
Da sitzen sie neben ihren Wohnwagen oder mobilen Eigenheimen, in ihrem
temporären Vorgarten mindestens eins, zumeist aber gleich mehrere der
handverlesenen Krafträder ausgestellt, die jedem Museum zur Ehre gerecht
würden. Rege Gespräche führen sie, die gemeinsam alt gewordenen, aber
jung gebliebenen Restaurateure und zumeist auch noch immer aktiven
Rennfahrer. Jeder für sich ein Künstler, diese wertvollen historischen
Maschinen am Leben zu halten, geschweige sie dann auch noch dem Volk im
Renn-Modus und voller Hatz vorzuführen. Da lehnt dann einer lässig im
Campingstuhl, mit grauem Haar und wachen Blick. „Das ist eine der ersten
NSU-Motorräder überhaupt, von 1904, eine von vielleicht noch sechs
existierenden Krafträdern dieser Gattung. Und NSU baute erst ab 1903
offiziell die ersten Motorräder.“ Akribisch gepflegt, restauriert und
die Geschichte nebst Krad am Leben erhalten: „Na klar, Ersatzteile gibt
es dafür nimmer mehr. Da musst du nach alten Plänen fahnden und dann die
Teile so dicht wie möglich am Original neu anfertigen. Aber ich besitze
die Maschine auch bereits über 16 Jahre. Die habe ich im desolaten
Zustand erstanden und nach und nach mit viel Geduld, gemäss ihrem
ursprünglichen Zustand wieder aufgebaut, passend zur Kategorie der
Antik-Klasse hier in Schotten.“ Solche, oder ähnliche Geschichten hörte
man im ganzen Fahrerlager. Ab 18.00 Uhr wurde die High Society beim
alten Rathausplatz vorgestellt. Ralf Waldmann, Dieter Braun, Svend
Andersson, Steve Baker, Gustel Hobel, Heinz Rosner etc. alle waren sie
dort.
Am Samstag brennt nebenan die Strasse mitsamt der Luft darüber, da
brüllt und kreischt es, hallt es zwischen den Häuserwänden her, geht’s
wie entfesselt dicht am Gartenzaun entlang und über den Post-Vorplatz
weiter, rüber über den Dorfbach und nach der scharfen Rechts steil in
wilder Hatz den Berg hinauf. Den über 20.000 Zuschauern an diesem
Wochenende fast über die Füsse, nur getrennt von ein paar in weissen
Folien verpackten Strohballen. Die ersten Trainingsläufe haben begonnen.
Auch die Klasse F rollte an den Vorstart und ich war mitten drin mit der
kleinen MV von Melanie. Vor über zehn Jahren waren wir als MV Sonderlauf
hier am Start, es war wie damals ein erhabenes Gefühl. Die Zuschauer
säumten den Weg zum Vorstart, die Fotoapparate wurden gezückt und die
Daumen gingen begleitet von einem Lächeln in die Höhe. Achim gab den
Start frei zu den Trainingsläufen und mit lautem Motorensound machten
wir uns auf die Strecke. Es ist gar nicht so einfach hier in Schotten.
Da es sich um einen Strassenkurs handelt, hat es viele Wellen und
Abwasserkanaldeckel auf der Ideallinie, begleitet von
Strassenmarkierungen. Aber es macht Spass, und die Zuschauer sind voll
mit dabei und applaudieren den Fahrern bei jedem Überholmanöver, nicken
anerkennend und fachsimpeln über die verschiedenen Motorräder und
Fahrstiele. Die kleine MV läuft irgendwie nicht ganz sauber, in jedem
Gang hat sie bei 6500 Umdrehungen kurze Aussetzer und man muss das Gas
kurz etwas zudrehen. Auf der Start – Zielgeraden verloren wir etwas an
Boden auf die Konkurrenz, was aber beim Anbremsen zur Postkurve wieder
wett gemacht wurde. Die anschliessende Schikane beim Bahnhof ging recht
flott und mit ganzem Schwung auf die Gegen-gerade. Das Anbremsen der
scharfen Rechtskurve den Berg hinauf, war ein idealer Ort um die
Konkurrenz auszubremsen. Nach fünf Runden war dann aber Schluss. Nach
der Postkurve nahm die MV das Gas nicht mehr zurück und drehte nur noch
hoch, begleitet von starken Vibrationen und komischen Geräuschen. In der
Auslaufzone zur Schikane am Bahnhof wartete ich auf den Schandwagen,
welcher aber schon mit zwei 50ccm Rennmaschinen belegt war. So dem
Publikum präsentiert wurden wir unter Beifall ins Fahrerlager
zurückgebracht. Dort angekommen machten sich Hätte und ich auf die
Fehlersuche und zerlegten die MV. Der Verdacht auf Kurbelwellenbruch
zerschlug sich aber schnell und wir suchten weiter. Zündungsseitig war
auch alles okay. Das Gaskabel war aber nicht an seinem Platz, was das
Hochdrehen verursachte. Also nochmals laufen lassen und sofort wieder
abschalten, diese Symptome hatten wir schon einmal, und auch damals war
Hätte dabei (Hockenheim vor vier Jahren). Der Zylinderfuss hatte einen
Riss und somit war das unternehmen Schotten zum zweiten Mal gescheitert.
Trotz dieser Niederlage haben wir das Wochenende in Schotten genossen
und uns an anderen Dingen erfreut. Da war z.B. das Bimota-Treffen in der
Postkurve, die diversen Rennläufe und Ausstellungen von Yamaha und Audi.
Die vielen kleinen Veranstaltungen in der Altstadt mit Live-Konzerten
und Strassenkaffees. Kulturelle und kulinarische Besonderheiten, so wie
ein Sternenhimmel mit vielen Sternschnuppen, die uns vom Schlafengehen
abhielten. Auch dieses Wochenende hatte viele Höhepunkte, die uns über
die Niederlagen hinweg trösten.